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Site Admin
| Anmeldungsdatum: 06.10.2007 |
| Beiträge: 4577 |
| Wohnort: in der sprache/in the sound |
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Verfasst am: 28 Okt 2008 12:08 |
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Es folgt eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte meines methodischen Ansatzes in der Literaturpädagogik.
Worum geht es? Was ist mir/uns wichtig? Nach welchen Prinzipien arbeiten wir? Welchen Grundsätzen fühlen wir uns verpflichtet?
Und: Was kann, was soll Literaturpädagogik leisten? Was sind die Grundlagen und Voraussetzungen für ihr Funktionieren und Gelingen?
1. Methodenpluralismus
Aufgezeigt wird eine Vielzahl an unterschiedlichen – sprachlichen und außersprachlichen, textlichen und außertextlichen - Methoden, welche es ermöglichen, in den Prozess des kreativen Schreibens hineinzufinden und Texte zu entwickeln und auszugestalten.
2. Konstruktive Textarbeit
Das Lernen am literarischen Text stellt eine wesentliche Komponente des pädagogischen Ansatzes dar: Im kreativen Prozess treffen das Eigene und das Fremde, das Innere und das von Außen Kommende aufeinander. Lesen und die kritische und aufmerksame Auseinandersetzung mit Texten hilft dabei, den eigenen literarischen Horizont zu erweitern.
3. Interdisziplinarität & Multimedialität
Miteinbezogen werden alle Textsorten von der experimentellen Lyrik bis zum Alltags- oder Gebrauchstext. Doch unser Zugang reicht über die Literatur hinaus: Medien wie Malen, Bewegung und Musik bilden einen weiteren wichtigen Schwerpunkt unserer Arbeit.
4. Sprachsensitivität
Ein Ziel unserer Arbeit besteht darin, Sensitivität und Aufmerksamkeit im Umgang mit Sprache zu entwickeln und diese auch im Alltagsleben anwenden zu können.
5. Textkompetenz & Stilsicherheit
Schwächen und Stärken des eigenen und des fremden Textes zu erkennen, darin besteht ein weiteres Ziel unseres Ansatzes. Darüber hinaus sollen stilistische Grundbegriffe keine Fremdwörter sein oder bleiben. Vermittelt wird das Wissen um grundlegende Aspekte der Textkonstruktion wie Erzählperspektiven, Figurengestaltung oder Rhetorische Figuren.
6. Gruppendynamik
Schreiben ist nicht mehr länger eine Beschäftigung im vielstrapazierten „stillen Kämmerlein“. Gruppendynamische Prozesse und Außenperspektiven ermöglichen die eigene literarische Weiterentwicklung und erweitern unseren Ansatz um eine soziale Komponente.
7. Konstruktive Diskussions- und Feedbackkultur
Über Texte reden macht Freude, ist interessant, stärkt Konzentration und Aufmerksamkeit, und hilft am Ende dabei, Texte zu revidieren und zu verbessern. Es stiftet Sinn und Gemeinschaft und betont den kommunikativen Appell des Schreibens.
8. Lernen am Anderen
Das Du ist der Spiegel des Ich: Die Auseinandersetzung mit dem Werk des anderen ermöglicht uns im Gegenzug einen objektiveren Blick auf unser eigenes Werk.
9. Respekt, Offenheit & Sachlichkeit
Im Zentrum unserer Auseinandersetzung mit Texten steht der respektvolle und behutsame Umgang mit ihnen. Wir sind offen für den Ausdruck des anderen und erkennen ihn in seinem Anderssein an. Das Andere ist nicht Bedrohung, sondern Bereicherung. Wir diskutieren ausschließlich auf sachlicher Ebene und werten nicht oder schaffen Hierarchien. Gesprochen wird über den Text, nicht über die Person.
10. Zurücktreten des Autors/der Autorin hinter den Text
Wenn wir ein Buch lesen, steht in den seltensten Fällen der Autor neben uns und uns für Fragen zur Verfügung. Konkret heißt das für uns: Der Autor/die Autorin hält sich mit Kommentierungen und Erklärungen zurück und lässt den Text für sich alleine stehen, unabhängig und losgelöst von seinem Schöpfer. Ein Text bedarf keiner Rechtfertigung.
11. Literarischer Blick & Distanz
Einen Text als Literatur zu betrachten ermöglicht einen distanzierteren Blick auf den Text, welcher unabhängig von der Fragestellung nach Autobiografie oder Fiktion existieren sollte.
12. Historisches Bewusstsein
Wir sind Erben und Träger kultureller Traditionen, derer wir uns bewusst sein müssen. Einen Schwerpunkt unserer Auseinandersetzung mit Text und Sprache bildet das Wissen um unsere Vorgänger, um Epochen und Stile der Literaturgeschichte.
13. Aufgeschlossenheit und Experiment
Geht nicht gibt’s nicht: Wir probieren alles und experimentieren mit allem. Der spielerische Zugang mit (noch) fremden Aspekten von Literatur ermöglicht eine neue Aufgeschlossenheit und eröffnet neue Horizonte und Perspektiven.
14. Unvoreingenommenheit & Vorurteilslosigkeit
Wir haben keine vorgefassten Meinungen bezüglich anderer Texte, AutorInnen oder Stile, wir gehen möglichst frei von Werturteilen an alles heran, was uns im Laufe unserer Auseinandersetzung mit Sprache, Text und Literatur begegnet.
15. Literarisches Umfeld
Wir begreifen uns als Teil eines künstlerischen Umfeldes und setzen uns daher mit der heimischen und zeitgenössischen Literaturszene und ihren Vertretern auseinander.
16. Künstlerische Entfaltung & persönliche Erbauung
Schreiben stiftet Identität und Gemeinschaft, es vertreibt Zeit, Angst, Zweifel und Unsicherheit, es sichert dem Schreibenden einen Platz in der Welt und ermöglicht es ihm, Spuren zu hinterlassen. Im Schreiben erfahren wir etwas über die Welt und über uns selbst. Kunst hat auch den Anspruch und Zweck, den Menschen persönlich zu erbauen und in seiner persönlichen und menschlichen Entwicklung weiterzubringen. Dadurch wird jegliche Kunst zu einer anthropologischen Grundkonstante.
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